Home Region Sport In-/Ausland Magazin Agenda
Rapperswil-Jona
03.01.2022
04.01.2022 14:15 Uhr

Exodus beim Mahlzeitendienst

Tempi passati: Ab Anfang Januar  ist der Mahlzeitendienst nicht mehr bei der Ortsgemeinde
Tempi passati: Ab Anfang Januar ist der Mahlzeitendienst nicht mehr bei der Ortsgemeinde Bild: Linth24
Nach über 40 Jahren stellt die Ortsgemeinde den Mahlzeitendienst ein und hat diesen nun auf Anfang 2022 der Stadt übergeben. Von den ursprünglich 70 freiwilligen Mahlzeitenauslieferer sind lediglich noch rund 30 an Bord.

Was mit viel Idealismus in den 1960er und 70er Jahren mit zwei Gemeindeschwestern begonnen hatte, entwickelte sich seit den 1980er Jahren zu einem «70-Personen-Unternehmen» der Ortsgemeinde Rapperswil. Die Mahlzeiten wurden in der Küche des Bürgerspitals zubereitet und durch freiwillige Helferinnen und Helfer an ältere Personen verteilt, die selbst nicht mehr kochen konnten.

Corona veränderte alles

In den letzten zwei Jahren fand aufgrund der Corona-Situation eine grosse Veränderung statt. Die freiwillige Mahlzeiten-Verteilung wurden stillgelegt und der Auftrag an ein Taxi-Unternehmen übergeben. Viele Verteiler verstanden diese Massnahme nicht, denn auch sie hätten wesentlich günstiger die Mahlzeiten bei den Empfängern deponieren können, ohne persönlichen Kontakt zu haben.

Nun streicht die Ortsgemeinde diesen traditionellen, gut eingespielten Dienst nach über 40 Jahren aber ganz aus ihren Büchern. Die hohen Zusatzausgaben (diese Aktion kostete die Ortsgemeinde über 70'000 Franken zusätzlich pro Jahr) und die Pensionierung eines Kochs sollen offensichtlich diese Entscheidung herbeigeführt haben. Ab Januar übernimmt nun die Stadt diesen Auftrag.

Viele Helfer kapitulierten

Die Stadtverwaltung übernahm die Verantwortung, liess sich aber unverständlich viel Zeit, bis der Auftrag an das Pflegezentrum Bühl respektive an RaJoVita erteilt wurde. Diese hat eine externe Firma verpflichtet, welche die Organisation und Abläufe programmieren konnte.

Die zweijährige Pause für die Mahlzeiten-Verteiler und der Wechsel in der Organisation verursachten einen grossen Exodus. Von den rund 70 bisherigen Helfern stellen sich nur noch gut 30 weiterhin zur Verfügung. Einige hatten dies schon zuvor angekündigt, für den Zeitpunkt, wenn das neue Pflegezentrum Schachen dereinst den Mahlzeitendienst übernehmen würde.

Von hier aus werden die Mahlzeiten geliefert: Pflegezentrum Bühl in Jona Bild: Linth24

Das bringt einen beachtlichen Mehraufwand mit sich: Für die Versorgung in den Alterszentren Bühl und im Meienberg werden heute schon rund 140 Mahlzeiten zubereitet - nun kommen noch weitere 40 bis 50 dazu.

Mahlzeiten nur noch kalt und nicht jeden Tag

Die Mahlzeiten für die Betagten werden darüber hinaus nicht mehr wie bis anhin warm, sondern kalt, zum Aufwärmen, ausgeliefert. Bei dieser kalten Auslieferung gehen die Verantwortlichen davon aus, dass auch einer älteren Person mit viel Lebenserfahrung zugemutet werden kann, die Mahlzeit im Kunststoff-Gefäss in die Mikrowelle oder den Backofen zu legen und nach Instruktion über Länge und Temperatur zu erwärmen. 

Eine weitere einschneidende Änderung betrifft den Tourenplan: Neu wird nicht mehr wie gewohnt jeden Tag ausgeliefert, sondern nur noch vier Mal die Woche. Das heisst: An einzelnen Tagen erhalten die Betagten somit zwei oder drei Mahlzeiten gleichzeitig, die dann an verschiedenen Tagen aufgewärmt werden können, so die Vorstellung der neuen Verantwortlichen.

Dringend Helfer gesucht

Nun geht ein Aufruf an die Bevölkerung von Rapperswil-Jona: Es sind Fahrerinnen und Fahrer gesucht. Es braucht pro Tag vier Personen, welche die Mahlzeiten verteilen, zwischen 09.00 und 11.00 Uhr.

Es wird eine kleine Spesenentschädigung von 20 Franken entrichtet, da man mit dem eigenen Auto fährt. Je mehr Leute sich beteiligen, desto weniger Einsatztage gibt es für die Einzelnen.

Interessenten können sich direkt beim Pflegezentrum Bühl, Telefon 055 222 01 33, Melisande Schaer, Bereichsleiterin Hotellerie, oder bei Dr. Ruedi Gwalter, 055 210 10 75, Koordinator Mahlzeitendienst, melden.

Hans Peter Rathgeb, freier Mitarbeiter Linth24