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Freizeit
06.12.2021
06.12.2021 14:42 Uhr

«Nachtleben gehört sicher nicht zu den Pandemietreiber»

Andy Gröbli zum «Gratistest-Konzept» des Pirates: «Lohnen tut es sich nicht, aber wir machen etwas für die Bevölkerung ohne Zertifikat.»
Andy Gröbli zum «Gratistest-Konzept» des Pirates: «Lohnen tut es sich nicht, aber wir machen etwas für die Bevölkerung ohne Zertifikat.» Bild: Pirates Hinwil
Gastronom Andy Gröbli hatte beim Pirates ein «Gratistest-Konzept» eingeführt, welches grosses Lob erntete. Die Maskenpflicht, die nun in St. Galler Clubs herrscht, findet er unfair und unnötig.

Um den Gästen den Eintritt ins «Pirates» in Hinwil (ZH) so einfach wie möglich zu machen, haben die Gastgeber seit Oktober einen schlauen Kompromiss eingeführt, um die Covid-Tests für nur 10 Franken anzubieten. Man bezahlt zwar am Anfang 20 Franken für den Test, erhält dann aber zwei «Gastroliber» im Wert von je fünf Franken, welche im Pirates, im Porter House in Uster und in der Werkstatt in Gossau einlösbar sind. 

Grosse Beliebtheit erlangt

«Das System hat perfekt funktioniert und wir konnten dadurch in den Monaten Oktober und November rund 15'000 Personen die Möglichkeit geben, sich täglich von 17.30 bis 20.00 Uhr, am Freitag und Samstagen sogar bis 01.00 Uhr testen zu lassen», berichtet Gastronom Andy Gröbli auf Anfrage von Linth24 und fährt fort: «Dieses Angebot ob der tollen Öffnungszeiten und der nicht verlangten vorherigen Reservierung, erlangte eine grosse Beliebtheit.»

Spezielle Öffnungszeiten für die Feiertage

Solange die Testvorgaben des Bundes nicht geändert werden (Bsp. 2G) und die Nachfrage bestehe, werde man das Testzentrum in Uster und Hinwil weiter betreiben, erklärt Gröbli. Zusätzlich, aufgrund der kommenden Massnahmen (ab 11 Personen, Privat mit Zertifikat), werden die Betreiber für die Feiertage spezielle Öffnungszeiten setzen, damit Privatpersonen getestet an die privaten Weihnachtsfeiern können.

Sehr kostspieliges System

Das System mit den Gutscheinen sei jedoch sehr kostspielig. «Wir mussten das Angebot per 1. November von 4 Gastroliber auf 2 Gastroliber reduzieren – der Tests kostet somit 10 Franken – da dies sonst nicht weiter finanzierbar gewesen wäre», schildert Andy Gröbli. «Wir werden das Angebot, der Kunde bezahlt den Test, erhält dann aber Restaurationsgutscheine, weiterhin so ausführen», führt der Gastronom aus, denn: «Da wir dadurch rund 40'000 Gutscheine im Gegenwert von rund 200'000 Franken in der Umlauf gebracht haben, sind die Umsätze der angeschlossenen Betriebe – Pirates Hinwil, Porterhouse Uster, Werkstatt 6 – in die Höhe geschnellt. Der Rücklauf der Gutscheine beträgt rund 55%.»

«Wir machen etwas für die Bevölkerung ohne Zertifikat»

Ob der Mehrumsatz die massiven Kosten aufheben könne, lasse sich noch nicht genau beziffern. «Lohnen tut es sich in diesem Sinne nicht, aber wir machen etwas für die Bevölkerung ohne Zertifikat», meint Gröbli. «Der sehr positive Effekt aus der Bevölkerung lässt sich im Angesicht der Marketingleistung nicht finanziell beziffern.»

Unfair und unnötig

Auf die Frage, wie er die neue Maskenpflicht in den Clubs im Nachbarskanton St. Gallen einschätze, antwortet der Gastronom gegenüber Linth24 sehr direkt: «Diese Massnahme ist ein Kahlschlag und auch unfair sowie unnötig.»  Es treibe die feiernde Meute, auch die geimpften Personen dazu, wieder Privatparties – welche dann auch illegal seien – zu veranstalten bzw. zu besuchen.

«Wir können ansagen, dass bei den 15'000 getesteten Personen, rund 41 positiv waren. Dies entspricht einem Prozentsatz von gerade mal 0.27% – also auf 1000 Personen knapp 3 Menschen», sagt Andy Gröbli und kommt zum Schluss: «Dies sagt ganz klar, dass Clubbing resp. das Nachtleben ganz sicher nicht zu den Pandemietreibenden gehört und wir somit das Vorgehen der Behörden absolut nicht verstehen und gutheissen.»

Linda Barberi, Linth24